v. r.: SPD-EU-Kandidat Korbinian Rüger, Kabarettistin Lizzy Aumeier, Manager Andreas Stock, Musikerin Svetlana Klimova, Orstvereinsvorsitzende Marion Koppelmann, SPD-EU Kandidat Tobias Köck

Neues Format „Kabarett & Diskussion

Am 28. März fand unsere Veranstaltung „Europa: Politposse oder Potenzial mit Zukunft“ im S u d h a u s auf Schloss Seefeld statt. Eingeladen haben wir zusammen mit dem Ortsverein Wörthsee, mit dem wir seit November 2018 eine Kooperation pflegen.

Gesamtansicht Sudhaus bei der Vorstellung am 28.03.19

SPD muss klarer & geschlossener auftreten

Den Auftakt unserer Veranstaltung bildete die kabarettistische Einlage von Lizzy A u m e i e r zusammen mit der Sologeigerin und -pianistin Svetlana Klimova. Die beiden stimmten die Gäste humorig, aber auch mit deutlichen Worten auf die anschließende politische Diskussion rund um das Thema Politik & Europa ein. So ermahnte Lizzy A u m e i e r, die selbst aus einem SPD-Haushalt stammt, die anwesenden Genossen und Genossinnen eindringlich, klarere & einfachere Worte zu finden und geschlossener aufzutreten.

Lizzy Aumeier fordert mehr Geschlossenheit und eine einfachere Sprache von der SPD!

„Schwesterchen“ Russland

Außerdem weist Lizzy Aumeier darauf hin, dass Europa zumindest im kulturellen Bereich, Russland wesentlich näher sei als den Vereinigten Staaten von Amerika, und dass wir als Europäerinnen und Europäer diesem Umstand zukünftig mehr Rechnung tragen sollten.

Svetlana Klimova war Konzertmeisterin des Orchesters im Staatlichen Akademischen Kammermusiktheater in Moskau


Svetlana Klimova (Geige), Lizzy Aumeier (Kontrabass), 28.03.19

Im Anschluss an den musikalisch-kabarettistischen Vortrag stellten sich unsere beiden Europa-Kandidaten Tobias Köck und Korbinian Rüger den Gästen vor.

Der Gesellschaft etwas zurückgeben

Tobias Köck*, 39 Jahre alt und erst vor kurzem Vater geworden, widmet die Hälfte seiner Arbeitskraft dem Ehrenamt, weil er so der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte. Er ist sich sicher, die Möglichkeit zu studieren, verdankt er ursächlich der SPD-Politik der 1970er Jahre. Einer der Schwerpunkte seiner politischen Arbeit ist die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Das anzustrebende Ziel sollte sein, dass die jungen Leute auch in ihren Heimatländern Anstellungen finden, die ihrer Ausbildung entsprechen. Dazu verweist er auf das SPD-Europa-Wahlprogramm für ein soziales Europa, bei dem es auch um die Angleichung der Lebens- und Sozialversicherungs-Standards in den verschiedenen Mitgliedsländern geht.

SPD-EU-Kandidat Tobias Köck, 39, tritt für ein soziales Europa ein

Geboren in der EU: eine glückliche Fügung

Auch Korbinian Rüger*, 30 Jahre alt und Doktorand der Politischen Philosophie ist sich bewusst, dass er durch die glückliche Fügung, in Deutschland und nicht in irgendeinem Drittland geboren worden zu sein, Möglichkeiten hat, die anderen junge Menschen in seinem Alter verwehrt bleiben. Er tritt dafür an, die gesetzgebende Kraft der EU vermehrt in die Hände der Bürgerinnen und Bürger zu legen und kann sich Ländergrenzen-überschreitende Wahlkreise oder gar gemeinsame Listen vorstellen.

SPD-EU-Kandidat Korbinian Rüger, 30, ist Gründungsmitglied von „Project for a Democratic Union (PDU)“

Wollen wir Willy Brandt und Helmut Schmidt zurück?

Zu Beginn der anschließenden Diskussion mit den Gästen stellt sich nach dem „SPD-Lied“ von Lizzy Aumeier, in dem sie sich Willy Brandt und Helmut Schmidt zurückwünscht, die Frage, ob das Publikum das auch so sehe. Eine junge Dame formuliert, sie verstehe den „Hype“ um die beiden nicht. Die „älteren Semester“ erklären, dass sie an Willy Brandt und Helmut Schmidt die Reformpolitik der SPD festmachen und sich wünschen würden, dass die SPD des dritten Jahrtausends wieder ähnlich versiert die Probleme der Zeit anpackt und löst. Aber gerne mit mehr Frauenpower!

Kritische Fragen, nicht nur zum Thema Europa

Parité: Geschlechter-gerechte Besetzung der Parlamente?

Bei der darauf folgenden Frage, warum eigentlich nicht genauso viele Frauen in den Parlamenten säßen, wie es der Bevölkerungsstruktur entspräche, wird auch das in Brandenburg vom regierenden rot-roten Bündnis vor kurzem verabschiedete Parité-Gesetz angesprochen. Dessen Übertragung auf den Bundestag und weitere Landesparlamente hält die gefühlte Mehrheit der Anwesenden für gerecht und überfällig, auch wenn manche der Ansicht sind, dass es dem Grundgesetz widersprechen würde. Desweiteren wird darauf hingewiesen, dass die SPD seit Anfang der 1980er Jahre die Maxime herausgegeben hat, die Kandidat*innen-Listen nach dem Reißverschluss-Prinzip zu reihen: abwechselnd ein Mann und eine Frau oder umgekehrt.

Wo sind die Frauen?

Warum aber gibt es nach wie vor viel weniger Frauen als Männer in sämtlichen politischen Gremien, wird gefragt. Unser Kandidat Tobias Köck erklärt daraufhin, dass die Frauen viel mehr Themen hätten, um die sie sich in ihrem Lebensalltag kümmern wollen und müssen. Auch heute noch liege die Schmerzgrenze in Sachen „ordentlicher Haushalt“ bei Frauen in der Regel niedriger als bei ihren Partnern. Nach wie vor haben viele Männer als Interessenschwerpunkt das Fortkommen im Beruf und vielleicht noch ein Hobby — vielleicht sogar die Politik. Damit Frauen Raum und Zeit finden, um sich ebenfalls mehr in diese Richtung zu engagieren, sollen ihnen ihre Partner den Rücken stärken UND freihalten.

SPD-EU-Spitzenkandidatin und Justizministerin Katarina Barley hat alles richtig gemacht

HARTZ IV für Europa?

Bei der Frage eines Gastes, ob die anwesenden Mitglieder der umliegenden SPD-Ortsvereine beim Thema „Anpassung der sozialen Verhältnisse in Europa“ etwa HARTZ IV und damit dessen negative Seiten für die Betroffenen nach Europa exportieren wollten, wird deutlich darauf hingewiesen, dass in Bezug auf HARTZ IV in Deutschland regelmäßig vergessen wird, dass HARTZ IV zusammen mit den GRÜNEN eingeführt wurde. Auch erschien es damals als Notwendigkeit, um eine drohende Massenarbeitslosigkeit abzuwenden. Inzwischen sind die wirtschaftlichen und Arbeitsmarkt-politischen Verhältnisse andere und die SPD arbeitet an Verbesserungen.

BREXIT hautnah

Der bevorstehende BREXIT sei nur der Gipfel einer langen Geschichte, erläutert Korbinian Rüger, der die Hälfte des Jahres in Oxford lebt. Großbritannien habe schon von jeher ein weniger emotionsgeladenes Verhältnis zu Europa gehabt, als wir auf dem Kontinent. Erst wollten die Gründungsväter Großbritannien nicht dabei haben, dann hat man auf der Insel bei der Währungsunion nicht mitgemacht, sich von SCHENGEN ausgenommen und die Grundrechte-Charta nicht anerkannt. Vor der Volksabstimmung zum BREXIT habe man die (jungen) Leute belogen. Durch eine schwache politische Führung sei das Desaster überhaupt erst möglich geworden, indem sie in einer so wichtigen Frage durch die „Volksabstimmung ohne Not“ populistischen Kräften letztlich die Entscheidungshoheit überließ und sich eigentlich nur eine Stärkung der eigenen Position erwartete.

SOPHIA nur noch aus der Luft

Das komme dabei raus, erklären die beiden EU-Kandidaten unisono, wenn man den rechtspopulistischen Kräften Macht gibt und sich parallel in der EU auf Abkommen versteift, die einem einzigen Bündnisland die ganze Verantwortung für die ankommenden Flüchtlinge aufbürdet, während sich andere die Rosinen aus den Möglichkeiten, die die EU biete, picken und gleichzeitig weigern, die ihnen zugewiesenen Kontingente zu bedienen. Da aber bei der „Angst vor Flüchtlingen“ auch immer mitschwingt, persönliche Pfründe abgeben zu müssen, sei es unabdingbar, dass wir weiter auf ein soziales Europa setzen, das die Lebenssituationen aller Mitglieder so verbessert, dass sie ihre Errungenschaften in Sachen Wohlstand nicht durch ein paar Tausend Flüchtlinge gefährdet sehen.

Was ist das Rezept der SPD gegen die Ablösungstendenzen innerhalb der EU?

Korbinian Rüger erklärt, dass die Antwort im Parteinamen der SPD angelegt sei: „Wir müssen sozialer werden und mehr Demokratie zulassen, vor allem auch in Europa!“

Europa ist die Antwort … und die Zukunft

Am Ende des Abends sind sich die Anwesenden einig, dass man der Zukunft gelassen entgegensehen kann, wenn diese von jungen Menschen wie den beiden Kandidaten mitgestaltet wird. Die Ortsvereinsvorsitzende Marion Koppelmann dankt den Gästen und den Vertreter*innen der Ortsvereine Gauting, Gilching, Gröbenzell, Iffeldorf, Planegg, Weßling und Landsberg fürs Kommen sowie dem Ortsverein Berg, dem Ortsverein Wörthsee sowie der Kreis-SPD Starnberg für die monetäre Unterstützung des neuen Veranstaltungsformats „Kabarett & Diskussion“.

Zum Schluss ein großes Dankeschön von der Ortsvereinsvorsitzenden Koppelmann an alle, die die Veranstaltung möglich gemacht haben!

Text: Marion Koppelmann, Fotos: Andreas Heinrich & Andreas Schöpf

*) Mehr über die beiden weiter unten auf dieser Web-Seite!

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